Erfahrungsbericht: „24h Xtreme Team Running“ – Eine Nasskalte Angelegenheit!

von Lars am 18.04.2016

Erfahrungsbericht: „24h Xtreme Team Running“ – Eine Nasskalte Angelegenheit!

Bildquelle: Sebastian Weitz

Während sich die meisten deutschen OCR Läufer am 05.03.2016 wohl beim Strong Viking den Samstag versüßten, machte sich das teils neu formierte Team „Chicken Hawaii“ auf nach Belgien zum 2ten 24h-Einsatz, um dort an der Premiere des „24h Xtreme Team Running“ Hindernislaufes im und um das „Fort de Barchon“ (Blegny) teilzunehmen.

Autor: Sebastian Weitz
Unser „neues“ Team bestand aus den schnellen Läufern Alexander und Tobias, dem leider durch eine Grippe angeschlagenem Andreas (oder simulierte er nur damit er nicht so viel laufen musste?  ) und meiner untrainierten Wenigkeit. Zusätzlich zu der 24h Herausforderung kam hinzu, dass wir als Team alle unterschiedliche konditionelle Voraussetzungen aufwiesen, fast immer als Einzelkämpfer starten und auch nie zusammen gelaufen waren. Aber als Hindernisläufer liebt man ja die Herausforderung.

Bei diesem 24h Hindernislauf konnte man im 2er, 4er oder 6er Team starten wobei jedoch immer 2 Teammitglieder gleichzeitig und zusammen laufend auf der Strecke sein mussten. Natürlich konnte man auch pausieren was einige Teams während der eiskalten Nachtstunden auch taten. Tagsüber lagen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt und es gab oft kurze Regenphasen was die Strecke ordentlich aufweichte. Nachts vielen die Temperaturen unter 0°C, was zur Folge hatte, dass man spüren konnte wie die tagsüber produzierten Fußspuren gefroren sind und man aufpassen musste an bestimmten Stellen nicht umzuknicken. Leider hatte der Himmel mit uns kein Erbarmen und so blieb die Sonne uns über das gesamte Rennen verwehrt. Lediglich Regen, Nebel und einen kurzen Schneefall gab uns der Wettergott als Unterstützung mit auf die Strecke…

Die Anfahrt verlief reibungslos und am Zielort angekommen fanden wir auch einen nahen Parkplatz. Dann hieß es auf dem durch Regen aufgeweichtem Feld einen gescheiten Platz zu finden und den Pavillon aufbauen. Um 10:30 ging es zur Einweisung, die wir uns wie wir schon ahnten hätten sparen können, da sie leider komplett in Französisch stattfand. Aber durch die guten Vorabinformationen über den E-Mail Verkehr wussten wir ja über alles wichtige Bescheid.

Auch wenn die mitgebrachte Propangasflasche nicht mitlief, denke ich war sie ein sehr wichtiger Teil/Equipment vom Team. Sie lieferte zwar nicht ganz so viel Wärme wie gewünscht, da wir trotzdem kalte Füße etc. hatten aber besser als nichts. Man musste sich während der Laufpausen ordentlich dick einpackten, aber sie hielt die Moral des Teams entscheidend aufrecht. Schließlich war es so kalt im Pavillon, dass man seinen eigenen Atem deutlichst erkennen konnte. Unseren direkten Campingpartnern war es anscheinen zu kalt gewesen, sodass sie bereits wenige Stunden nach Rennbeginn die Zelte abbauten und verschwanden. Vielleicht war es aber auch gut so dass es nicht zu warm war (im Pavillon) da sonst die Wechsel wohl noch länger gedauert hätten. Ich schätze, dass die Wechselzeit im Durchschnitt bei 15min lag da wir erst aus den Wohlfühlklamotten raus mussten und neue Laufkleidung anzogen wenn die anderen im Pavillon waren (war zwar wenig sinnig dies zu tun, da man eh kurze Zeit später nass war aber für den Kopf war es eine wichtige Sache), nur um noch etwas länger „Wärme“ abzubekommen.

Pünktlich um 11:00Uhr fiel der Startschuss.

Strecke - 24Hours Xtreme Team Running

Hierbei handelte es sich um eine 4,8 km lange Strecke die natürlich so oft wie möglich mit Zwei Läufern gleichzeitig bezwungen werden musste. Zuerst musste ein 18m langes schlammiges Kriechhindernis bewältigt werden, worauf ein Balanceakt über ein hochkant gestelltes Brett erfolgte. Darunter befand sich Wasser, welches aus eigener Erfahrung sehr kalt und Brusttief war.

Gefolgt von 3 großen Matchgruben (eine gefüllt mit Wasser) einer Monkeybar (die später aufgrund von Matsch unmöglich zu bewältigen war) und einem Hindernis, bei welchem Gewichte nach oben gezogen werden mussten. Etwas ärgerlich war hier das man als Ausgleich lediglich 10 Liegestütze machen musste und ich mit Andreas hier einige Male überholt wurden – da die Strafe kürzere Zeit in Anspruch nahm als das eigentliche Hindernis.

Da die Matschgruben extrem rutschig waren, wurde später ein Seil angebracht, sodass man sicherer herabkam. Ich glaube dies geschah weil sich hier jemand schwer verletzt hatte (auch bei mir hätte diese Grube fast zum Ausfall geführt). Ab der einbrechenden Dunkelheit wurde dieses Hindernis sowie die Monkeybar von der Strecke ausgegliedert. Schade aber im nach hinein (wahrscheinlich) eine sinnvolle Entscheidung seitens des Veranstalters.

Anschließend folgte eine ca. 3m hohe Wand und ein Stück Laufstrecke, vorbei an den Zelten. Einer schrägen Wand folgte ein Geschicklichkeitshindernis. Hier musste ein kleines Ringseil so geworfen werden, das es über einen in die Erde gerammten Stock in ca. 3-4m Entfernung hängen blieb. Vor allem nachts war es schwerer gewesen zu treffen, da durch die Minusgrade die Seile nicht mehr so flexibel waren. Nachts war diese Stelle natürlich (wie fast alle anderen Hindernisse unter freiem Himmel) beleuchtet gewesen. Dieses Hindernis war ein netter Einfall und eine willkommene Abwechslung gewesen!

Dann ging es erst richtig los mit den Qualen. Den Anfang machte ein kleiner Tümpel, wo man bis zur Brust einsank, anschließend ging es in die Katakomben. Ein am Anfang mit Wasser gefüllter Gang (gute 100m im Wasser) musste durchwatet werden. Dann ging es in diesem Gang, wie zuvor auch, in gebückter Haltung über etliche hunderte Meter weiter. Diese Anstrengung ging ordentlich aufs Kreuz sodass ich zwischendurch immer kleinste Pausen eingelegte. An den Stellen in den Kata-komben wo man normal hätte rennen können, hatten die Organisatoren von der Decke hängende Reifen befestigt und dieses Teil zusätzlich noch mit Nebelmaschinen zu gequalmt (lediglich in der Nacht setzten die Nebelmaschinen für ca. 5 Stunden aus). Hier konnte man sich nur vortasten um den Weg zu finden (trotz Stirnlampe).

Zum Glück gab es während des Laufens eine Helm und Lampenflicht, sonst während die Ausfälle wohl ins unendliche gegangen, da die Decke immer unterschiedliche Höhen aufwies und die Gänge nur stellenweise mit einem Minimum an gedimmten Licht „beleuchtet“ waren. Dann ging es wieder raus über eine Kletterpyramide vorbei am Verpflegungs- (Wasser, Waffeln und Rosinen konnte man sich hier nehmen) und Wärmezelt einen kleinen Anhang hoch. Dort musste man über ein waagerecht gespanntes Netz klettern danach erfolgte eine kleine Laufeinheit.

Dann musste eine kleine Röhre in die nächsten Katakomben hinab gerutscht werden (hier hatte der Veranstalter aber hoch gepokert gehabt, was wäre gewesen wenn ein Teilnehmer sehr stämmig gewesen wäre?!?). Aber auch hier waren die Deckenhöhen wieder sehr unterschiedlich gewesen wie Alex am eigenen Leib erfahren musste. Bei dem nach unten abfallenden Weg ging die Decke nicht in gleicher Höhe mit abwärts sondern hing tiefer. Und so passierte es (wahrscheinlich der Müdigkeit und Unkonzentriertheit der Nacht geschuldet) das er mit voller Laufgeschwindigkeit gegen den Deckenvorsprung mit dem Helm knallte und zu Boden fiel. Wohl nach kurzer Benommenheit und ohne Schäden zu nehmen ging es für ihn und Tobi dann nochmals durch Brusttiefes kaltes Wasser. Dann waren die Katakomben so gut wie geschafft und es ging wieder nach draußen, wo eine Strohpyramide erklommen werden musste. Danach waren nur noch ein paar hundert Meter durch immer matschiger werdenden Untergrund zu bewältigen und man hatte eine Runde von vielen geschafft gehabt.

Der Lauf forderte uns viel ab und so konnten wir leider durch konditionelle Probleme (und natürlich die „langen“ Wechselpausen) nicht die kompletten 24h durch laufen. Andreas musste erkältungsbedingt nachts gegen 3Uhr aus gesundheitliche Gründen auf ein weiterlaufen verzichten (trotzdem großen Respekt das er uns so gut es ging läuferisch unterstützte - schließlich stand bis kurz vor dem Lauf sein Einsatz in den Sternen). Am Sonntag früh war dann auch die Luft bei Tobi und mir raus. Alex hingegen hatte noch Reserven gehabt, aber aufgrund des Regelwerkes war es im leider nicht gestattet alleine zu laufen. Und wir wollten ja nicht disqualifiziert werden.

Da wir auch nachts den eisigen Temperaturen trotzend die Strecke liefen, befand sich unser Team am Ende der 24h auf dem 12ten von 50 Plätzen mit 24 Runden. In unserer Teamwertung (4er Team) konnten wir uns einen 4. Platz erkämpfen mit lediglich einer Runde Rückstand auf den 3ten. Wie hart/kalt dieses Rennen war lässt sich bei einem Blick auf die Finisher erkennen. Von den 64 Teams (was wir auf der Anzeigetafel erkennen konnten) haben es nur 50 in die offizielle Wertung geschafft, wobei die letzten Teams nur  5-6 Runden gerannt sind.

Fazit: 24 Hours Xtreme Team Running in Belgien

Eine wirklich gelungene Premiere! Die vorab Informationen waren gut gewesen und auf offene Fragen wurde schnell geantwortet. Auf der Strecke gab es eine Verpflegungsstation mit Wasser und Waffeln (Es handelte sich um einen Lauf wo man sich selbst verpflegen musste,) was völlig okay für den günstigen Startpreis ist. Die Hindernisse waren gut und abwechslungsreich gewesen (wobei die Katakomben doch stellenweise kein Ende nahmen).

Es gab fest installierte Toiletten und beim Campingplatz waren ebenfalls 2 Dixies und ein Urinal aufgestellt, die erstaunlicherweise auch noch gegen Ende des Laufes benutzbar waren. Auch war eine kleine Unterkunft zum Wärmen in der Festung gewesen, die nachts äußerst gut besucht gewesen war. Lediglich mit den Duschen gab es Probleme.

Ich möchte mich nochmal bei Alex, Andreas und Tobi bedanken, die zu einer erfolgreichen Teilnahme, Durchführung und Beendigung von diesem Hindernislauf beigetragen haben. Soweit ich der Stimmung entnehmen konnte, hatte auch Ihnen dieser Lauf gefallen gehabt und ich habe schon Stimmen verlauten gehört die meinten, dass wir nächstes Jahr an der Platzierung arbeiten müssten und das obwohl wir doch bestes deutsches Team waren. Trotz Kälte, Nässe, Stürzen und den üblichen Schrammen haben alle von uns den Lauf gut überstanden gehabt, sodass man sich eine Woche später wieder als direkte Konkurrenten beim BHB gegenüber stand.

PS: Ihr möchtet euren Erfahrungsbericht zu einem Hindernislauf auch auf Trophy Runners veröffentlichen? Dann meldet euch einfach unter folgender E-Mail bei uns: info@trophyrunners.de.

Das könnte Dir auch gefallen

Immer auf dem Laufenden bleiben!

Du möchtest über neue Laufevents, Gutscheine und Verlosungen informiert werden? Dann abonniere unseren Newsletter! Garantiert kein Spam und jederzeit kündbar!

Informationen zu den Inhalten, der Protokollierung Deiner Anmeldung, dem Versand über den US-Anbieter MailChimp, der statistischen Auswertung sowie Deine Abbestellmöglichkeiten, erhältst Du in unserer Datenschutzerklärung.