Erfahrungsbericht Steelman Hannover

von Lars am 02.11.2015

Erfahrungsbericht Steelman Hannover

Bildquelle: Steelman Hannover

Am 01.11.2015 fand der 2. Steelman in Hannover von eichels:Event statt. Für mich ein Heimspiel also Pflichtprogramm. So viel vorweg: Der Hindernislauf hat mich positiv überrascht. Bei idealen Voraussetzungen mit Bombenwetter (18 Grad am 01. November), einer Pferderennbahn als spannende Location, einer tollen Strecke mit schön gemachten Hindernissen und im Großen und Ganzen guter Organisation, bleibt leider ein sehr großes ABER.

Autor: Lennart Tietz
Es ist Sonntagmorgen in Langenhagen bei Hannover, die Sonnenstrahlen erwärmen die klare Luft langsam auf angenehme 18 Grad. Es ist der 01. November 2015. Besseres Wetter kann man sich für einen Hindernislauf an einen solchen Tag nicht wünschen.

Die Stimmung steigt, als ich mein Auto auf dem kostenlosen Parkplatz direkt vorm Eingang zur Pferderennbahn abstelle. Vor der Tribüne sind zwei, drei Essensstände, eine Merchandise-Bude und ein Duschbereich aufgebaut. In der Tribüne finde ich schnell den Check-In und habe nach zwei Minuten mein Starterpaket. Dies besteht aus einem Armband mit Startnummer, einem Gutschein für einen warmen Kakao (es ist immerhin November) und einem Flyer für den Hannover Marathon am 10. April 2016. Keine Papierstartnummer – kein weiterer Chip (meinen Championchip habe ich selbst mitgebracht), also wohl auch keine personalisierten Fotos – Schade, das finde ich immer nett.

Aber kein Grund, traurig zu sein. Ich verlasse die Tribüne mit meinem Starter-Kit auf der Rennbahnseite, die Sonne scheint mir ins Gesicht und die Stimmung ist gut. Ich war noch nie auf einer Rennbahn und mich beeindruckt die Größe der Anlage schon. Dominiert wird das erste Bild vom Radiosender FFN, der die Veranstaltung unterstützt und moderiert. Ein paar Hindernisse kann ich von hier aus schon sehen. Vor allem die beiden Hindernisse, die vielen Teilnehmer die Freude an der Veranstaltung nehmen werden, stoßen ins Auge. Dazu komme ich gleich.

Steelman Hannover -  Setting

Beim Steelman Hannover hat man die Wahl zwischen einer 9 und 18 Km langen Distanz. Die Läufer, die wie ich die 18 km wählten, bewältigen die Strecke zweimal. Es findet eine persönliche Zeitnahme mit dem Championchip von Mika statt. Die persönliche Zeitnahme gibt der Veranstaltung Wettkampf-Charakter, wodurch schon zu erwarten ist, dass die Hindernisse ohne Hilfe zu bewältigen sein werden. Der Steelman ist also mit Veranstaltungen wie dem Fisherman’s Friend Strongmanrun zu vergleichen. Ich werde inzwischen häufiger gefragt, was ich bei diesen Veranstaltungen an Ausrüstung trage. Heute habe ich mich, da ich auf einer Pferderennbahn nicht von großen Schlammlöchern und im Großen und Ganzen von eher befestigtem Geläuf ausgehe (dazu zähle ich auch Sand und Rasen), für meinen Trailschuh, einem Nike Terra Kiger, entschieden. Der ist wesentlich leichter als mein für matschigere Events bevorzugter Salomon Speedcross 3 und bequemer zu laufen. Ansonsten trage ich normale, lange Laufklamotten mit Kompression und eine GoPro Action Cam auf dem Kopf.

Handschuhe trage ich bei solchen Events nicht mehr, weil sie nach der ersten Matschpfütze eh durch sind und man meiner Meinung nach dann ohne Handschuhe besseren Grip hat als mit. Das muss aber jeder selbst wissen. Ich habe das Gefühl, dass die Meinungen dazu recht gleichmäßig verteilt sind.

Steelman Hannover 2015 - Los geht’s

Gestartet wir in einem - Tja, wie nennt man das? – Frequenz-Massenstart. Im Abstand von eineinhalb Minuten gehen immer ca. 70 Leute auf die Strecke. Für die Läufer, die auf Rekordjagt gehen wollen, gibt es die Möglichkeit, als erstes zu starten. Ich bin im zweiten Block, starte also um 11:01:30. Eine sehr schöne Idee ist, dass der Start aus Pferdestartboxen erfolgt.

Zunächst geht es über Rasen, durch ein wenig Geäst und durch eine kleine Schlammgrube bis das erste nicht natürliche Hindernis, ein großer Reifenstapel, wartet. Da ich recht früh dran bin, ist dieser noch eher eine Pyramide – also mittendurch, ich bin schließlich zum Spaß da.

Noch ein paar Meter auf Rasen und dann geht es auf den „Funky Beach“. Wie der Name richtig vermuten lässt, ist nun Sand der kraftraubende Untergrund. Die Strecke erstreckt sich auf ca. 500 Meter und ist gespickt mit Krabbelhindernissen (eine Kuhle mit Bauzaun darüber), die schon recht eng sind.

Nun folgt das erste der beiden Hindernisse, die dem Event für viele Teilnehmer in der Bewertung das Genick brechen werden. An und für sich recht schön gemacht, geht es auf eine Gerüstkonstruktion, auf der man zunächst über Ketten balancieren und dann über ca. 3 Meter hangeln muss, bevor es über eine rutsche wieder bergab geht. Der erfahrene Hindernisläufer sieht hier sofort, dass es später eng werden würde. Das Hindernis ist so schmal, dass nur 2, maximal 3, Läufer gleichzeitig dadurch können. Hier wurde die Kapazität völlig falsch berechnet, wenn überhaupt an so etwas wie Hinderniskapazität gedacht wurde. Jetzt in meiner ersten Runde, verliere ich hier nur zwei Minuten durch Warten, weil ich, wie gesagt, (noch) recht zügig unterwegs bin.

Ein ähnliches Hindernis folgt wenig später. Dort balanciert man über einen Holzbalken um anschließend Walls zu bezwingen. Auch hier gibt es nur zwei Balken.

Also schnell rüber.  Zwischendurch habe ich großen Spaß daran, eine Footballmannschaft zu durchbrechen

Es folgen zwei Seecontainer, die mittels Netz erklommen, mit Balken überquert und über Stroh wieder verlassen werden wollen. Eine große Strohpyramide kostet Kraft, bevor es durch ein „Mienenfeld“ von Zuschauern mit Wasserbomben geht.

Der Großteil der Strecke ist für Zuschauer gut zu erreichen, das sorgt für tolle Atmosphäre. Beim nächsten Hindernis dürfen wir ein 5 Liter Fass über einen kleinen Rundkurs transportieren, der mit kleinen Hürden gespickt ist. Anschließend folgt eine längere Laufpassage, die von Berlin Walls (ca. 3 Meter hoch) kurz unterbrochen wird. Dann geht es bergauf. Ja richtig, bergauf. Keine Ahnung, wo dieser Hügel auf einmal im norddeutschen Flachland herkommt ;-). Das Hochlaufen lohnt sich aber, weil es über eine seifige Plane schnell und spaßig bergab geht. Es folgen ein paar kleinere Hindernisse und die letzte größere Anstrengung: Ein Sandsack musste über ca. 300 Meter geschleppt werden. Dabei geht es unter einem LKW der Bundeswehr hindurch und über kleinere Pferdehindernisse. Dieser Sandsack  hat in meiner ersten Runde noch gut 20 Kg – in der zweiten wohl nur noch 5.

Die erste Runde ist so gut wie geschafft. Es stehen 3 Kabeltrommeln – die großen, die man von Baustellen kennt – vor mir. Die erste wird unterkrabbelt, die zweite überklettert und die dritte wieder unterkrabbelt.

Nun geht es zurück auf die Pferderennbahn. Die 9 Km-Läufer biegen hier rechts ins Ziel ab, ich begebe mich auf die zweite Runde.

Bis hier hin ist es ein richtig schöner Lauf! Liebevoll gemachte Hindernisse, gut gelaunte Helfer, immer noch tolles Wetter. Jetzt kommt aber das große ABER. Wie oben bereits erwartet, geht vor den beiden Hindernissen, die Geschicklichkeit und Kraft erfordern gar nichts mehr. Die Läufer, die spät gestartet sind (etwa 15 Minuten nach uns), stehen in einer großen Traube vor dem Hangelhindernis. Meine Uhr sagt mir, dass ich gerade knapp über eine Stunde unterwegs bin. Das heißt, die stehen da seit einer dreiviertel Stunde an. Wie gesagt, da hat sich jemand über Kapazität keine Gedanken gemacht.

Für mich heißt das: Außen vorbei – ich habe das Hindernis ja in der letzten Runde schon „bezwungen“. Genauso beim zweiten Nadelöhr. Schade! Das ist nämlich wirklich das einzige, was man der Veranstaltung als negativ auslegen kann. Nach ziemlich genau 17 Km laufe ich mit einer Zeit von 01:50:55 ins Ziel und erhalte eine schicke Medaille.

500 Meter pro Runde weniger als angekündigt finde ich in Ordnung. Wenn man überall die Außenlinie nimmt, kommt es mit 9 Km pro Runde bestimmt hin.

Für mich kommt am Ende ein toller 50. Platz dabei raus. Die Zielverpflegung ist sehr gut. Wie schon beim Marathon des Veranstalters im April, gibt es alkoholfreies Weizen, Müsliriegel, frisch gebackene Mehrkornstangen mit Marmelade und und und. Ein Eventshirt gibt es auch – allerdings für 25 Euro. Naja.

Ab und an wird man ja bei einer Veranstaltung überrascht. So auch beim Steelman: Im Nachhinein ist meine Vermutung,  dass es uns hier zu Gute kommt, dass der Veranstalter ansonsten Veranstaltungen mit einem anderen Klientel als uns Hindernisläufer hat. Da stelle ich mich in freudiger Erwartung an der draußen aufgebauten und üblicherweise eiskalten Duschen an und erschrecke mich beinah, als wunderbar warmes Wasser aus den Duschköpfen kommt. Das lässt die Stimmung noch an ihren Höhepunkt steigen und gibt einen Bonuspunkt.

Fazit: Steelman Hannover 2015

Der Veranstalter lernt noch. Es ist wirklich schade, dass die Hinderniskapazität an mancher Stelle nicht bedacht wurde. Das hat vielen Teilnehmern den Spaß an der Sache verdorben. Das ist bei persönlicher Zeitnahme ja auch doppelt bitter. Man merkt, dass der Veranstalter, der erfolgreich diverse Laufevents veranstaltet (unter anderem Hannover Marathon und Triathlon), nur wenig Erfahrung mit Hindernisläufen hat. Gerade bei nur 1.500 Startern ist das eher peinlich. In einer sofortigen Entschuldigung über Facebook gelobt eichels: Event aber Besserung.

Wenn man davon ausgeht, dass die kapazitativen Probleme nicht mehr auftauchen, ist es ein sehr schöner Hindernislauf. Meiner Meinung nach ist der Steelman liebevoller umgesetzt und hat eine schönere Strecke samt Hindernissen als der StrongmanRun, an dem sich dieses ähnlich gelagerte Event messen lassen muss. Ich werde nächstes Jahr wieder dabei sein.

PS: Ihr möchtet euren Erfahrungsbericht zu einem Hindernislauf auf Trophy Runners veröffentlichen? Dann meldet euch einfach unter folgender E-Mail bei uns: info@trophyrunners.de.

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